Stiftungsbotschafter-Reise nach Indien

Termin: 17.11. – 30.11.2012.

Projektreise der Georg Kraus Stiftung

Indien 17.11.- 30.11. 2012

Bericht von Gaby Lauterbach-Otto

 

 

 

1. Teil der Reise

Die Projektreise im November 2012 führt uns nach Indien. Mit dabei - wie angekündigt - ein Fernsehteam des Bayerischen Rundfunks (Studio Franken), das schon morgens auf dem Flughafen die Kamera auf uns hält.

 

Chennai – GKS Projektbesichtigungen, Projektpartner Salesianer (Don Bosco)

In Chennai (Südindien) angekommen, wohnen wir im „Citadel“ Gästetrakt des Salesianer Kollegs. Die kommenden 4 Tage versorgen uns die Padres mit einem reichhaltigen Frühstück, sind gleichzeitig Bank und Guide für uns.

Zunächst besichtigen  wir  in Kilachery und Kavarapettai,  südlich von Chennai, von der Stiftung geförderte Projekte. Während der Fahrt dorthin können wir uns ein Bild von der Stadt machen: Viele Slums, Müll und  stinkender Abfall auf kaputten Straßen und  vor den Hütten,  nie fertig gewordene einsturzgefährdete Gebäude und Brücken, dazu ein chaotischer Verkehr mit den vielen laut tönenden Hupen einer Vielzahl von Fahrzeugen, die im langen Stau stecken bleiben. Die Inder scheint das alles nicht zu stören, sie nehmen es gleichmütig hin.

Wir besuchen das Christ College, wo bedürftige Schüler/innen  ein Stipendium erhalten. Wir essen mit ihnen zu Mittag und sie bedanken sich in Form von kleinen Sketchen für die finanzielle Unterstützung durch die GKS.

Weiter geht’s zu dem  Berufsausbildungszentrum für Jungen, die aus ärmsten Verhältnissen kommen und die sonst keinerlei Chancen auf eine Ausbildung haben. Sie können  hier Berufe wie etwa Elektriker, Schweißer oder Automechaniker erlernen. Geführt und betreut wird die Schule von den Salesianern. Wir sind zur offiziellen Übergabe der Einrichtung eingeladen.

Als unsere Gruppe aus dem Bus steigt, werden wir sofort von Kindern umringt, die uns bunte Ketten um den Hals hängen. Der Leiter der Schule, Pater Vincent, begrüßt jeden von uns herzlich. Alle Schüler stehen Spalier und unter lautem Applaus und Hallo-Rufen gelangt unsere kleine Prozession zum Eingang der Schule. Hier dürfen wir auf einer kleinen Bühne Platz nehmen, alle Schüler versammeln sich um uns herum. Nach Gesang und Ansprachen wird das Gebäude offiziell eingeweiht und wir gehen anschließend in die Klassenzimmer, jeder von uns umringt von einer Traube Jungen, die nun nicht mehr von unserer Seite wichen bis sie fotografiert werden.  In den  Maschinenräumen führen uns die Schüler die diversen Geräte vor und  freuen sich wenn sie dabei  von unserem Reporterteam gefilmt werden.

Dann beginnt der aktive Teil für unsere Gruppe: Ein Teil von uns hilft beim Kochen in der Schulküche, der andere beim Malern in einem der Schülerwohnhäuser. In riesigen Bottichen wird über offenem Feuer ein Reiscurry gebrutzelt, dazu gibt’s für jeden Schüler ein hartes Ei und Fladenbrot. Die Schüler sitzen in einem großen Speisesaal dicht an dicht auf dem Boden. (Möbel gibt es nämlich keine). Vor uns haben wir nur einen Pappteller, den wir nun mit 2 Schöpflöffeln Reis füllen. Fleisch gibt es hier selten. Einige lächeln uns an, andere schauen verlegen auf ihren Teller. Sie sind offensichtlich  nicht gewohnt, von Erwachsenen  bedient zu werden.

Zum Abschluss führen die Jungs für uns noch eine Tanzshow auf. Der Swing reißt uns alle begeistert mit. Danach werden wir beschenkt mit Schals, kleinen Holzelefanten, Pokalen. Bevor wir in den Bus steigen, gibt es nochmal langes Winken und ein herzliches Dankeschön.

In diesen 4 Tagen besuchen wir noch etliche Kinderheime, Waisenhäuser, Schulen, die (noch) nicht von der GKS unterstützt werden. Jedes Mal wird uns ein herzlicher Empfang bereitet,  wir bekommen  Blumengirlanden,  zu essen und zu trinken. Und  wir hören von den  traumatischen Schicksalen der Kinder, die keine Überlebens- und Bildungschancen hätten, würden sie nicht in einer dieser Einrichtungen aufgenommen. Es ist daher lebensnotwendig, dass solche Projekte unterstützt werden.

Abends  treffen wir uns zusammen mit dem Filmteam  im Refektorium des Kollegs, abseits von Straßenlärm, Hektik und staubig schwüler Hitze. Wir trinken noch ein Bier oder auch einen indischen Whisky, diskutieren, unterhalten uns und planen den nächsten Tag. 

Ein abschließendes Highlight  für uns in Chennai ist ein gemeinsames  Abendessen in einem eleganten Hotel.  Wir genießen  alle in entspannter Atmosphäre  ein fantastisches Buffet mit indischen Gerichten.

Hier verabschieden wir uns auch von dem Fernsehteam, das nun die Rückreise nach Deutschland antritt.

 

2. Teil der Reise

Rajasthan und Delhi

Der zweite Teil der Reise führt uns mit eher touristischem Programm in den Norden von Indien.

Wir fliegen mit Zwischenstopp in Mumbai nach Udaipur. Zufällig entdecken wir beim Umsteigen in der Halle auf dem Gepäckband die Koffer von Cristina und Helena, die eigentlich nach Udaipur weiter transportiert werden sollen. Ein Flughafenmitarbeiter meinte dann allerdings ganz seelenruhig, wir sollten sie einfach liegen lassen, sie würden  dann schon weiter transportiert. Die Koffer kommen tatsächlich richtig an.

Am Flughafen in Udaipur wartet schon  unser Bus mit Jewan, unserem indischen Guide, auf uns. Er wird uns die nächsten Tage auf der Fahrt von Udaipur über Pushkar, Jaipur, Amber, Fatehpur Sikri und Agra nach Delhi begleiten.

Hier in Rajasthan  entdecken wir  nun das alte Hochkulturland Indien. Wir besichtigen fantastische  Paläste und die monumentale Architektur aus der Mogulzeit. Jewan bringt uns während der Busfahrten die Geschichte Indiens nahe.

Dazwischen haben wir genügend Zeit das bunte Treiben in den Bazaren der Städte zu beobachten. Bevor wir etwas kaufen, muss gehandelt werden, was für einen Westler teilweise sehr anstrengend sein kann. Vereinzelt gibt es auch aggressive Händler, die uns (Frauen) nicht gehenlassen,  sie laufen hinterher, stellen sich in den Weg. Irgendwann hat dann jeder von uns ein Teil (oder mehrere) erstanden, das dann am Abend beim gemeinsamen Essen vorgeführt wird. Mit viel Geplauder und Gelächter.

Einen absoluten Höhepunkt unserer Reise bildet die Teilnahme an der  Pushkar Mela, eines der faszinierendsten Feste Indiens. Pushkar ist ein kleiner, aber sehr wichtiger Pilgerort der Hindus. Wie  eine Oase liegt das Städtchen mitten in einer von Bergketten umgebenen Wüste, mit tausenden von Tempeln und einem Heiligen See. Viele Gläubige kommen wegen des Tempels von Brahma, der obersten Gottheit der Hindus. Der Legende nach sollen dem Schöpfer des Universums Brahma nach einem Kampf mit Dämonen Lotosblüten auf den Boden gefallen sein. An dieser Stelle entstand der Pushkar See. Indien ist sehr reich an solchen Geschichten.

Als wir in der Stadt ankommen, steigen schon die ersten Pilger die Ghats (Treppenanlagen, die ans Seeufer führen) hinab in den See, um ihre rituellen Waschungen vorzunehmen. Die Frauen gehen mit ihren leuchtend bunten Saris ins Wasser, andere waschen Kleidungsstücke, andere verharren meditierend auf einer Treppe. Wir umrunden den heiligen Bezirk, unsere Schuhe sind ausgezogen und fotografieren ist strengstens verboten.

Die Stadt ist voll von Pilgern, Gurus, Gauklern, Musikanten und Händlern, denn die Pushkar Mela ist zugleich Jahrmarkt und Kamelmarkt. Am Boden sitzen greise Inder, eine Pfeife rauchend und eingehüllt in Rauchschwaden. Es riecht nach Haschisch. Jewan erklärt uns, Pushkar ist der einzige Ort  Indiens, wo kiffen offiziell erlaubt sei. Dementsprechend viele „Entrückte“ begegnen uns.

Es wird schon Abend, als wir dann, nach schier endlosem Gedränge zwischen Jahrmarktsbuden, etwas außerhalb den Kamelmarkt entdecken.

Es ist ein atemberaubendes Bild, wie die etwa 20.000 Kamele inmitten der sanft gewellten Dünen  bei untergehender Sonne im Sand stehen oder liegen, dazwischen die Besitzer und Händler, um den Preis feilschend oder Chai trinkend. Langsam stapfen wir durch den Sand, an den Kamelen vorbei, die uns gelassen betrachten. Es ist bereits dunkel,  als wir auf einem Karren, gezogen von einem Kamel, zu unserem Hotel fahren.

Unter der prächtigen Mogularchitektur, die wir auf dieser Reise bewundern dürfen, stellt das Taj Mahal in Agra mit seinen Ausmaßen und perfekten Proportionen einen Glanzpunkt dar. Wir erreichen die Anlage noch vor Sonnenuntergang. Das Grabmal, das der Mogulherrscher Shahjahan 1631 für seine geliebte Frau Mumtaz Mahal an der Biegung des Flusses Yamuna errichten ließ, ist auch eine Art Nationalheiligtum der Inder. Jeder möchte einmal im Leben hierher gereist sein. Dementsprechend viele Menschen warten schon am Eingang.

Nach dem obligatorischen Sicherheitscheck treten wir durch ein gigantisches Eingangstor  in die Parkanlage und  sind fasziniert  vom Anblick der Architektur des Taj Mahals, wie der weiße Marmor mit seinen floralen Dekorationen und arabischen Kalligrafien in der Abendsonne glitzert. Sofort werden die Kameras gezückt,  -  von uns und von den indischen „Fotografen“, die die Bilder dann bei der Rückkehr zum Bus verkaufen. Wir reihen uns ein in die riesig lange Menschenschlange, um ins Innere des Grabmals zu gelangen. Schweigsam, fast feierlich, ohne zu drängeln, zieht nun die Prozession um das steinerne Grab, um dann zurück in den Park zu gehen.

Als wir nach etwa 2 Stunden die Anlage verlassen, treffen wir auf ein inzwischen gewohntes Bild: Bettler, mit körperlichen Gebrechen, Kinder, die irgendwelchen Kitsch verkaufen, verfolgen uns bis zum Bus, hinweg über Müll und Unrat auf den Straßen von Agra.

Zum Abschluss unserer Reise besichtigen wir Delhi. Eine Stadt, geprägt von mittelalterlichen Bauten, engen Gassen und orientalischen Bazaren (Old Delhi) und der britischen Kolonialarchitektur im Regierungsviertel und im Zentrum New Delhis. Jetzt können wir noch ein letztes Mal einkaufen, bummeln, handeln.  Wir wohnen in der Nähe des Connaught Place, einem  großen Rondell mit Säulengängen und eleganten Boutiquen. Die letzten Rupien werden ausgegeben.

Eine Überraschung hält unser gemeinsames Abschiedsdinner in einem Hotel in der Nähe des Flughafens bereit: Wir werden Zaungäste einer indischen Hochzeit, die in diesem Hotel feiert. Ein farbenprächtiges, ohrenbetäubendes Spektakel zieht uns in seinen Bann. Mit Jewan, unserem Guide, diskutieren wir über arrangierte Hochzeiten und er berichtet uns bereitwillig über sein eigenes  Hochzeitsfest.  Indien, welch ein faszinierendes, widersprüchliches Land!

 

Gabriele Lauterbach-Otto

Januar 2013

 

Reiseinfo: Info-Flyer (PDF) download

Nähere Informationen zu den während dieser Reise besichtigten Projekten:

"Lehrwerktstatt in Tamil Nadu": http://www.georg-kraus-stiftung.de/entwicklungshilfe/asien/aktuelle-projekte/indien/ausbildungszentrum-indien-tamil-nadu/ausbildungszentrum-indien-tamil-nadu.html

"Christ College, Stipendien für Studenten": http://www.georg-kraus-stiftung.de/entwicklungshilfe/asien/aktuelle-projekte/indien/stipendien-christ-college/stipendien-christ-college.html

"Slum- u. Strassenkinder in Südindien": http://www.georg-kraus-stiftung.de/entwicklungshilfe/asien/projekte-die-mit-ihren-spenden-bereits-gefoerdert-wurden/indien/slum--und-strassenkinder-in-suedindien/slum--und-strassenkinder-in-suedindien.html

Zwei Franken im Haus der Liebe

Herr Thomás Röhrl (Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks) hat mit seinem Kollegen Frank Soldner die letzte Projektreise der Georg Kraus Stiftung im November 2012 nach Indien begleitet und zwei Dokumentarfilme daraus zusammengestellt. Im Focus steht u.a. Manfred Rathgeber (GKS-Vorstandsmitglied und GKS-Botschafter), der mit seinem ehrenamtlichen Engagement bei der Georg Kraus Stiftung auch zum Erfolg bei der Projektarbeit vor Ort beigetragen hat: „Natürlich ist dieses nur ein Tropfen auf dem heißen Stein – aber steter Tropfen höhlt den Stein!“

Teil 1
Teil 2
Quelle: © Bayerischer Rundfunk